Erfahrungsbericht
eines Klinikclowns 
Knuddel, das bin ich und seit Februar 2001 auf den onkologischen Stationen 3 & 6 der Kinderklinik der FSU Jena.
Jeden Mittwoch knuddele ich mich durch die Zimmer meiner kleinen und großen Freunde. Deshalb haben wir den Mittwoch inzwischen auch Knuddeltag genannt. Ab Mittags hüpfe, düse oder laufe ich mit meiner Schubkarre über die Station. Dann packen wir gemeinsam die Schubkarre aus, erzählen uns von unserer Woche, was schön war und was gaaanz gaaanz blöd war. Wenn es mehr Blödes gab, als Schönes, dann versuche ich so gut zu trösten wie Knuddel es eben kann ( und das geht ja leider manchmal auch schief ) oder ich versuche, dass wir das Blöde so schnell vergessen wie möglich durch schräge Geschichten, Witze oder Toben.
N
ur die Kinder dürfen entscheiden! Sie sind meine kleinen Chef´s, die Bestimmer in unseren Spielen. Wenn es ein Kind gerne laut mag, ja dann kümmere ich mich eben darum, dass es auch laut wird. Wenn ein Kind Musik liebt, dann bauen wir Orchester auf oder leiern Musik von meinen Spieluhren
oder wir singen komische Lieder.
U
nglaubliche Kleinigkeiten trage ich in meinen großen Hosentaschen: eine geschnitzte Elefantenherde, Krokodilzähne, einen Dinosaurier, die kleinste Eisenbahnplatte der Welt, Tuten, Pfeifen, Taschentücher,... Manchmal verlaufe ich mich selbst in meinen Hosentaschen und finde nur mit Mühe wieder heraus.
D
ann gibt aus auch wieder Besuche in Zimmern, in denen es ganz leise ist, weil jemand traurig oder verzweifelt ist. Dann setzt sich Knuddel auch einfach nur still dazu. Ich kann die Krankheit nicht bekämpfen - dazu sind andere da - aber manchmal kann ich vielleicht einen Sack voll Verzweiflung aus einem Zimmer mitnehmen und anderswo entsorgen.
D
och auch die großen Patienten möchte ich nicht vergessen. Wir toben dann sicher nicht so herum, wie 6 jährige, aber manchmal schließen wir dann lieber die Tür, dass nicht jeder mitbekommt, was so ein persönlicher Clown für höchst merkwürdige Ideen hat... (Geheimnisse muss es geben! Also sag ich jetzt dazu lieber nichts mehr.)
E
ine Clownsphilosophie gibt es natürlich: "Lebe im Hier und Jetzt - so lange dein Herz schlägt. Pflücke den Augenblick." Und diese Augenblicke möchte ich auch zu Kindern und Jugendlichen bringen, die ihren letzten Weg gemeinsam mit ihren Familien zu Hause gehen. Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, meine kleinen und großen Freunde zu begleiten, wohin auch immer der Weg geht, ob in die Gesundheit oder nicht.
L
iebe Patientenfreunde, von Euch habe ich so viel gelernt! Ihr habt auch mich zum Lachen gebracht. Ihr habt oft einen großen Humor, vor welchem sich meiner verneigt. Ich freue mich auf weitere lachende, schmunzelnde und verknuddelte Stunden mit Euch - wo auch immer!